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Im Gespräch mit Margarita Cantalapiedra vom Studio Banana

Im Gespräch mit Margarita Cantalapiedra vom Studio Banana

NOVEMBER 2025
·
7 Minuten

Margarita Cantalapiedra ist Innenarchitektin und Projektmanagerin bei Studio Banana, einem internationalen strategischen Designstudio mit Büros in Madrid, Lausanne und London. In diesem multidisziplinären Kontext leitet sie Projekte, die (Innen-)Architektur, Kommunikation und Beratung miteinander verbinden, und begreift Design dabei als Werkzeug für kulturellen und sozialen Wandel.

Cantalapiedra ist davon überzeugt, dass gutes Design Zuhören, Dialog und Experimentieren voraussetzt; ihr Prozess stützt sich auf Ko-Kreation, Nachhaltigkeit und Empathie. Im Gespräch mit Actiu stellt sie ihre Vision von Design vor, dessen Wirkung über das Ästhetische hinausgeht. Sie spricht über das Gleichgewicht zwischen Innovation und Zweckmäßigkeit im Design, und darüber, wie Zusammenarbeit und Grenzensetzen kreative Prozesse und Transformation vorantreiben.

1) Was hat Sie dazu bewogen, bei Studio Banana anzufangen, und wie würden Sie das dort herrschende Designverständnis beschreiben?

Ich kannte das Studio Banana schon seit seinen Anfängen, es war für mich ein Vorreiter darin, verschiedene Disziplinen unter einem Dach zu vereinen. Was mich besonders inspiriert hat, war die Vision, Design als Weg zur Transformation und Verbesserung von Realitäten zu verstehen.

Wir arbeiten auf der Grundlage einer Philosophie, die drei Säulen umfasst: einen End-to-End-Ansatz, bei dem Talente aus verschiedenen Ländern und Disziplinen zusammenarbeiten, die Co-Kreation mit Kunden und Nutzern als Grundlage des Prozesses eine äußerst humanzentrierte Perspektive, bei der ein Gleichgewicht zwischen Innovation, Funktionalität und Emotion angestrebt wird.

2. Wie sehen Sie die Rolle des Designs jenseits von Ästhetik oder Form?

Für uns ist Design ein Werkzeug für den Wandel. Es verbindet Menschen, bringt Entdeckungen hervor und fördert Innovationen.

Wir konzentrieren uns nicht in erster Linie auf Formen und Farben, sondern darauf, die Bedürfnisse einer Organisation oder Gruppe in greifbare Erfahrungen zu übersetzen. In diesem Sinne hat Design die Fähigkeit, Verhaltensweisen zu verändern und neue Arten der Zusammenarbeit zu ermöglichen.

3. Studio Banana verbindet Architektur, Design, Kommunikation und Strategie. Wie fließt diese disziplinenübergreifende Vision in die Projekte ein?

Sie ist unsere größte Stärke. Jede Disziplin bringt eine andere Perspektive mit sich und in der Kombination gelangen wir zu umfassenderen, kohärenteren Ergebnissen.

Die Zusammenarbeit von Teammitgliedern aus den Bereichen Design, Architektur, Strategieentwicklung und Herstellung ermöglicht es uns, über das Funktionale hinauszugehen, Ideen zu verbinden, die normalerweise nicht miteinander in Dialog treten würden, und Nutzererlebnisse zu kreieren, die inspirieren, begeistern und Spuren hinterlassen.

„Für uns ist Design ein Werkzeug für den Wandel. Es verbindet Menschen, bringt Entdeckungen hervor und fördert Innovationen.“

4. Studio Banana legt großen Wert auf die Verpflichtung gegenüber Kunden, Nutzern und der Umwelt. Wie sieht das in der Praxis aus, wie bringen Sie bei einem Projekt diese drei Dimensionen unter einen Hut?

Unser Pflichtgefühl zeigt sich in unserem Einfühlungsvermögen. Wenn wir von Kunden, Nutzern und Umwelt sprechen, meinen wir damit drei Ebenen, die sich gegenseitig bedingen. Jedes Projekt beginnt damit, genau zu verstehen, was der Kunde sucht, was der Nutzer braucht und wie die Umgebung beide Aspekte beeinflusst und bedingt.

Wir entwerfen nicht auf einem leeren Blatt Papier, sondern durch Beobachtung und aktives Zuhören. Wir setzen uns mit dem Kunden zusammen, veranstalten Workshops, Interviews, Sitzungen; kurz gesagt, wir nehmen ihn an der Hand. Diesen Dialog führen wir ebenfalls mit den Endnutzern, denn sie beurteilen schließlich, ob wir ihre Erwartungen erfüllt haben oder nicht.

„Wir entwerfen nicht auf einem leeren Blatt Papier, sondern reagieren durch Beobachtung, aktives Zuhören und Empathie auf reale Bedürfnisse.“

5. In Ihrer Arbeit nimmt das Nutzererlebnis einen zentralen Platz ein. Wie zeigt sich das im kreativen Prozess und an den von Ihnen entworfenen Räumen?

Bei jedem Projekt treibt uns an, sowohl für die Organisationen als auch für die Endnutzer Mehrwert und Wohlbefinden zu schaffen.

Daher starten wir jedes Projekt mit einer Entdeckungsphase, in der wir zuhören, beobachten und den Kontext, die Kultur und die tatsächlichen Bedürfnisse analysieren. Wir arbeiten mit dem Kunden zusammen und passen den Prozess an die Identität der Organisation an, um sicherzustellen, dass jedes Projekt ein klares Ziel und Storytelling hat. Denn das Nutzererlebnis soll nicht nur ästhetisch, sondern auch praktisch im Alltag funktionieren.

Neue Räume von QoQa, einem Schweizer Start-up-Unternehmen spezialisiert auf Last-Minute-Online-Angebote

6. Wie sollte die Zusammenarbeit von Design und Industrie Ihrer Meinung nach aussehen, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen?

Umwelt und Industrie sind eng miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Wenn wir von Engagement für die Umwelt sprechen, heißt das auch, Verantwortung für industrielle Prozesse und die verfügbaren Ressourcen zu übernehmen.

Design kann und sollte eine Brücke zwischen den beiden Welten bauen: eine Sprache, die menschliche Bedürfnisse in greifbare Lösungen übersetzt, ohne dabei die Rückverfolgbarkeit der Herstellungsprozesse aus den Augen zu lassen. Es geht nicht nur um Ästhetik oder Funktionalität, sondern um verantwortungsvolle und nachhaltige Prozesse.

7. Gibt es ein aktuelles Projekt von Studio Banana, das die Designphilosophie des Studios besonders gut verdeutlicht?

Das bisher repräsentativste Projekt ist wahrscheinlich der Espacio Movistar von Telefónica in seinem historischen Gebäude an der Gran Vía in Madrid. Wir wollten die Essenz dieses emblematischen Flaggschiff-Unternehmenssitzes bewahren und ihn gleichzeitig in die Zukunft transportieren, um den innovativen Charakter der Marke und ihre Schlüsselrolle in der Kommunikation und Technologie in Spanien hervorzuheben.

Unser vielseitiger Entwurf definiert das Besuchererlebnis neu und lässt die Grenzen zwischen Einzelhandel, Freizeit und Kultur verschwimmen. Mithilfe von interaktiven Erlebnissen schafft der Raum eine stärkere Verbindung mit der Stadt und demokratisiert den Zugang zu Technologien: ein immersiver Kubus, der von der Straße aus sichtbar ist, Gamingbereiche, ein Kino und Kapseln zur Content-Erstellung, die um ein großes Atrium angeordnet sind, das als offene und dynamische Bühne dient.

Espacio Movistar von Telefónica im historischen Gebäude an der Gran Vía in Madridischen Gebäude an der Gran Vía in Madrid

8. Wie war die Herausforderung, das Multimedia-Erlebnis für das Olympische Haus in Lausanne zu gestalten?

Es war ein ganz besonderes Projekt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wollte, dass das zentrale Foyer seines neuen Hauptsitzes, das Olympic House in Lausanne (Schweiz), ein einladendes Willkommserlebnis bietet, das die Mission und die Werte der olympischen Bewegung widerspiegelt. Unsere Herausforderung bestand darin, ein immersives Storytelling zu entwerfen, das mit der Architektur des Gebäudes koexistiert und gleichzeitig eine emotionale Verbindung zu Besuchern, Delegationen und Mitarbeitern aufbaut.

Wir haben ein multimediales, von verschiedenen Sportarten inspiriertes Erlebnis geschaffen, das die Einheit, Vielfalt und Energie des olympischen Geistes symbolisiert. Mit Elementen wie dem Unity Ribbon wollten wir die Ideale der Zusammenarbeit und internationalen Verbundenheit, die das IOC repräsentieren, in Bilder und Bewegung umsetzen. Das Ergebnis ist ein lebendiger Raum, der sich verändert und anpasst und jeden Besuch zur Möglichkeit macht, die olympischen Werte mithilfe von Emotionen und Technologie zu erleben.

Zentrales Foyer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)

9. Sie sagen oft, dass Grenzen helfen, Ideen zu verfeinern. Wie werden Einschränkungen zu kreativen Verbündeten und nicht zu Hindernissen?

Wenn ein Kunde Ihnen sagt, „alles ist möglich“, passiert es leichter, den Fokus zu verlieren. Grenzen hingegen zwingen einen dazu, Prioritäten zu setzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Auf manche Dinge kann man verzichten, auf andere jedoch nicht: Sie sind Teil der Identität des Projekts. Die Arbeit mit Einschränkungen regt die Kreativität an, weil sie einen dazu zwingt, innerhalb eines bestimmten Rahmens intelligente und sinnvolle Lösungen zu finden.

Wir versuchen, verschiedenen Menschen zuzuhören, Perspektiven zu kontrastieren und den Prozess offen zu gestalten. Bei Studio Banana kann ein sich ein ursprünglich technisches Gespräch schon einmal zu einer vierstündigen Unterhaltung entwickeln, an dem das ganze Team beteiligt ist. In diesem kollektiven Prozess entstehen die besten Ideen.

10. Welche allgemeinen Trends in den Bereichen strategisches Design und kreative Innovation werden Ihrer Meinung nach die kommenden Jahre prägen?

Wir sehen mehrere wichtige Trends im strategischen Design. Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sind unabdingbar geworden: Projekte müssen ihren ökologischen Fußabdruck niedrig halten und einen Mehrwert für die Gemeinschaft schaffen. Co-Creation mit verschiedenen Nutzern und Teams als Antriebskraft für Innovationen wird zum Standard, während künstliche Intelligenz langsam aber sicher als echter kreativer Partner verwendet wird, natürlich immer auf ethische, transparente Weise. Darüber hinaus sind das Zusammenspiel von Disziplinen (Design, Strategie, Technologie oder Kunst) und systemisches Denken unerlässlich, um komplexe Probleme anzugehen und angesichts des ständigen Wandels flexiblere und anpassungsfähigere Modelle zu entwickeln.

11. Wie entwickelt sich Ihrer Meinung nach die Rolle von Designern im 21. Jahrhundert und welche Kompetenzen brauchen sie, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen?

Es liegt in der Natur der Sache, dass Architekten und Designer die Gesellschaft beobachten und analysieren. Wir haben die Verantwortung, die sich verändernden Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Menschen zu beobachten, und die Verpflichtung, diesen Herausforderungen und Problemen mit ganzheitlichen Lösungen zu begegnen. Unsere Rolle geht über das Entwerfen von Räumen hinaus: Sie beinhaltet eine tiefgreifende Fähigkeit, zuzuhören und zu verstehen, um Bestehendes zu verbessern. Architektur muss ein Katalysator für den Wandel sein, und Architekten nicht nur als Designer, sondern auch als Strategen agieren, die menschliche, kulturelle und technologische Aspekte mithilfe von Co-Creation integrieren und Lösungen entwickeln, die nicht nur den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechen, sondern auch zukünftige Veränderungen vorwegnehmen.